Geist der Einsamkeit

( locul al II-lea in cadrul concursului de literatura 2009 pe tema ” Geist” organizat de catre Ambasada RFG, DAAD si Institutul Goethe )

Die rötliche Sonne geht langsam auf und durchbricht mit ihren eiskalten Strahlen die Nacht. Die Kerze auf dem Tisch brennt still und strahlt ihr zitterndes Licht über die Dunkelheit des Zimmers aus. Man sieht nur den Umriss einiger Bücher und eines geöffneten Stiftes, der auf ein Blatt vergessen liegt. Darauf sind ein paar sinnlose Worte aufgeschrieben. Die staubigen Bücher sind seine Gedichtebänder, die mit der Zeit vergessen und seit Jahren nicht mehr durchblättert wurden. Nur sie werden die Zeugen seines Daseins bleiben. Nur sie. Und alle sind ihr gewidmet.
Stille und Kälte. Er mag es, im Dunkeln zu bleiben. Die schweren Samtdraperien sind sein Schutz gegen dem so hellen Sonnenlicht. Es durchdringen nur ein paar zerstreute Strahlen in seinem Büro, in dem sich viele Bücher und zerknitterte Blätter befinden. Seit fünf Jahren hat er nichts mehr geschrieben. So hat er es sich angewöhnt zu leben, seitdem sie gestorben ist , die Frau für die er er auch seine Seele aufgeopfert hätte.
Auf dem Nachttisch befindet sich ihr Bild, damit er mit den Gedanken bei ihr einschläft und damit sie die erste und die letze sein soll, die er jeden Tag sieht. Obwohl schon fünf Jahre vergangen sind, will er es nicht glauben, dass sie nicht mehr da ist. Er will es nicht annehmen, dass er alleine geblieben ist – alleine, ohne ihr Lächeln, ohne die  Liebesworte, ohne ihr Parfüm, ohne ihren wie das Meer tiefen Blick, ohne ihren Kuss, ohne die Umarmungen als er sie in seinen Armen zittern fühlte… ohne sie. Er umarmt ihr Bild fest. Aus der Tiefe seines Geistes strömen Tränen, Tränen die nie austrocknen würden und heute absterben, um morgen wiedergeboren zu werden. Er liegt im Bett mit ihrem Bild ans Herz gedrückt und weint schluchzend bis seine Tränen austrocknen und er nicht mehr weinen kann und man seine Stimme nicht mehr hört.
Nur die Uhr folgt unermüdet ihren Weg und versucht mit jeder Sekunde der Unendlichkeit näher zu kommen. Die Todesstille wird nur von seinem schweren Atem und von dem Wind unterbrochen, der in den geschlossenen Rolladen schlägt, als ob jemand hereinkommen wollte. Jedoch will ihn niemand besuchen… Wer soll es wollen?
Er schaut rund um sich mit einem starren Blick und sieht seinen Arbeitstisch, auf dem sich die brennende Kerze, der Stift, die verstaubten Bücher und ihr Brief befinden. Darauf steht: “Ich liebe dich und ich werde dich immer lieben! Nicht einmal der Tod wird uns trennen!” … sie wusste, dass sie sterben wird. Eine Träne hat den Brief befeuchtet und es folgten viele andere. Die Tinte verschwomm und hinterließ ein beflecktes Blatt. Er blickte um sich herum und alles, jede Ecke erinnerte ihn an sie. Er fühlte als ob die Wand über ihn stürzen würde. Er lief weg und schlug die Tür zu.
Für ein paar Sekunden war er vom Licht der Sonne geblendet. Auch wenn sie die Erde nicht erwärmte, da es an einem kalten Januartag geschah, verbreitete die Sonne ihr weißes und kaltes Licht. Nachdem er wieder zu sich kam und es ihm nicht mehr schwindlig war, sah er, immer klarer wie die Leute um sich sind. Es war eine Menge kühler, gleichgültiger Leute. Einige waren besorgt und in ihren Gedanken versunken, andere starrten ihn an oder blitzten ihn mit ihren Blick und ein paar waren aufgebracht, da er ihnen im Weg steht, obwohl sie sich beeilten. Er wusste nicht genau warum er herausgegangen ist oder wohin er wollte. Er fühlte nur, dass er weit weglaufen will.
Es dämmerte. Die Raben sammelten sich auf dem alten Nussbaum in der Nähe ihres Grabes, aber er war gleichgültig. Die Kälte und der Wind drangen ihm bis zu den Knochen, aber er blieb gleichgültig. Er war da, neben ihr. Das war das einzige,was zählte. Vor dem Grab spürte er sie näher, obwohl er wusste, dass ihre Seele nicht unter jenen kalten Betonplatten geblieben ist. Er fühlte den Drang mit ihr zu sprechen, ihr alles zu sagen, was er dachte, noch nicht gesagt zu haben. Er fragte sich, ob er sie genug geliebt hat, ob er ihr jeden Tag gesagt hat, wie viel sie ihm bedeutet. Vielleicht ist es jetzt zu spät, all das zu sagen… oder vielleicht nicht. Die Tränen strömten ihm auf die Wangen wie ein Fluss, aber zur gleichen Zeit spürte er sein Herz brennen und von einem Schauer umhüllt, der es erwärmte und ihm eine unerklärbare Freude verleihte. Wieso kann er glücklich sein, wenn er sich vor ihrem Grab befindet? Er wusste nicht wie diese Frage zu beantworten, aber er fühlte sich gehört, wenn er mit ihr sprach Er betrachtete den dunklen Himmel, er sah die Sterne und wusste, dass sie ihn anschaut, er sah die Wiederspiegelung ihrer Augen in den Sternen. Jeder Stern war ein Teil von ihr. In dem Windhauch erkannte er ihr Parfüm; er hörte ihre Stimme, ihr süßes Lachen und der Halbmond gleichte ihrem Lächeln.
Es umhüllte ihn ein Wohlbehagen, ein wahres Gefühl der Freude… sie hatte ihn keinen Augenblick verlassen! Sie war ihm immer nah, aber er hatte sich verschlossen, er ließ das Licht nicht in sein Leben eindringen. Dies verstand er erst jetzt, nach fünf Jahren, vor ihrem Grab.
Unterdessen begann ein häftiger Sturm. Kaum hörte man seine Stimme in dem Echo der himmlischen Tränen… “Ich liebe dich!”
Als er zuhause ankam, zündete er das Licht an und das erste, dass er sah, war ihr Lächeln aus dem Photo vom Nachttisch. Zum ersten Mal lächelte er ihr zurück und seine Augen schimmerten vor Freude und nicht vor Traurigkeit. Die Kerze brannte immer noch, es dauerte nicht mehr lange bis sie ausgehen würde. Von nun an brauchte er sie nicht mehr, da das Sonnenlicht in sein Zimmer durchdringen wird. Er öffnete die Draperien weit auf, damit am Morgen, wann er aufwachen wird, so viel Licht wie möglich sein Zimmer beleuchten kann. Dann fiel sein Blick auf die alten, verstaubten Bücher.Er nahm sie in die Hand, wischte sie ab und blätterte durch sie lächelnd.
Danach setzte er sich zum Tisch und begann in der Stille der Nacht zu schreiben, dann wenn man die Realität am bessten wahrnehmen kann.

Wir sind auch der Geist, den wir verlieren.

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